Die Riesinnen
‚Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.‘ Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.
Unsere Meinung zu „Die Riesinnen“
Es gibt viele generationsübergreifende Familienromane über Großmütter, Mütter und Töchter, dieser hier ist herausragend: Er hat eine unglaubliche Sogkraft und ist stilistisch außerordentlich gut. Man hat das Gefühl, diese Geschichte über Liese, Cora und Eva, drei großgewachsene und unangepasste Frauen in einem Dorf im Schwarzwald, muss einfach erzählt werden. Was macht es mit einem Menschen, wenn die Ehe, die dörfliche Enge und der Tratsch unerträglich werden? Oder wenn die dörfliche Heimat am Wald wider Erwarten doch unersetzlich ist? Die Geschichte fließt förmlich heraus und sucht sich ihren Weg, wir sitzen irgendwo in diesem Dorf an einem Küchentisch mit einer Wachstuchtischdecke und hören leise zu. Lernt die Riesinnen kennen, es lohnt sich.
Empfohlen von Johanna Lätzel
Die Riesinnen – Hannah Häffner
Hardcover 24,- € – Penguin






